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   Rubrik: Vermischtes
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Burgdorf vor 45 Jahren:
Am 11. Mai 1965 überfällt der Jurastudent und spätere Schauspieler Burkhard Driest die Stadtsparkasse am Celler Tor


Burkhard Driest und Romy Schneider

Es hätte ein ganz normaler Frühlingstag werden können. Am 11. Mai 1965 gingen die 16000 Einwohner Burgdorfs ihren alltäglichen Verrichtungen nach. Noch ahnte niemand, dass die Auestadt zur Mittagszeit Schauplatz eines spektakulären Verbrechens sein würde. Sicher hätte auch keiner der damals Beteiligten geglaubt, dass der Hauptakteur dieser Straftat, der verschuldete Jurastudent Burkhard Driest, einige Jahre später an der Seite Romy Schneiders in einer legendär gewordenen Talkshow sitzen und als bekannter Schauspieler und Regisseur ein Millionenpublikum beeindrucken würde. Als Driest am 11. Mai seinen Studienort Göttingen verließ, war in ihm der Entschluss gereift, eine Bank in einer niedersächsischen Kleinstadt zu überfallen. Der enorme Schuldenberg, den er mit seinem aufwändigen Lebensstil angehäuft hatte, schien ihm keinen Ausweg zuzulassen. Dafür war er bereit, drei Wochen vor seinem Examen eine risikoreiche Straftat zu begehen und alle moralischen Hemmschwellen zu überschreiten. Zwei Waffen hatte er sich über dunkle Kanäle besorgt. Sein jähzorniger und hemmungsloser Charakter hatte ihn bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt gebracht. Verfahren wegen Trunkenheit am Steuer, Körperverletzung, Betrugs und Diebstahls liefen bereits seit 1959 gegen ihn.

Driest stammte aus einer Flüchtlingsfamilie

Das Licht der Welt erblickte Driest am 28. April 1939 in Stettin. Nach der Flucht vor den herannahenden russischen Truppen fand die gutbürgerliche Familie in Peine eine neue Heimat. Überschattet wurde seine Jugend von der Trennung seiner Eltern im Jahr 1950. Er zog mit seiner Mutter in seinen späteren Studienort Göttingen. Sein Vater blieb in Peine. Als sich die Mutter mit seiner Erziehung überfordert zeigte, nahm ihn sein inzwischen wieder verheirateter Vater in Peine wieder auf. Dass Driest 1958 das Ratsgymnasium nach mehreren disziplinarischen Verweisen verlassen musste, ist ein erstes Anzeichen für charakterliche Defizite bei dem jungen Mann. In späteren Jahren gab er an, dass er schon als Schüler den Berufswunsch hegte, Schauspieler zu werden. Sein strenger Vater zwang ihn aber dazu, nach dem in Braunschweig als Drittbester bestandenen Abitur Jura zu studieren. Studienorte waren Kiel, Westberlin und Göttingen.

Überfall auf die Sparkasse am Celler Tor

Am frühen Morgen des 11. Mai stahl Driest in Braunschweig einen lindgrünen VW 1500. Mit ihm begab er sich auf die Suche nach einer geeigneten Bank für sein Verbrechen. Nach einer ziellosen Fahrt durch das südliche Niedersachsen erreichte Driest das unweit von Hannover gelegene Burgdorf. In der Straße Vor dem Celler Tor stieß er auf die Filiale der örtlichen Stadtsparkasse. Schnell kam er zu der Überzeugung, dass sie mit ihrer überschaubaren Größe ideale Bedingungen für einen Überfall bot. Jetzt gab es kein Zurück mehr für ihn. Mit gezogener Waffe stürmte er um 13.00 Uhr in die Sparkasse, deren Eingangstür der Sparkassenlehrling Wolfgang Bock gerade abschließen wollte. Im Schalterraum befanden sich drei weitere Bankangestellte. Der Geschäftsstellenleiter Friedrich Karl Wiesener befand sich zu diesem Zeitpunkt gerade in der Hauptgeschäftsstelle und erfuhr von der Tat durch seinen Lehrling Bock. Erstmals in der Burgdorfer Kriminalgeschichte wurde eine ortansässige Bank Schauplatz eines dreisten Überfalls. Die zuerst an einen schlechten Scherz glaubende Bankangestellte Karin Geisler händigte ihm 7358 DM aus. Ohne auf Widerstand zu stoßen, eilte Driest aus der Bank, stieg in seinen PKW und fuhr unbehelligt aus Burgdorf davon. Ob der vier Jahre zuvor erfolgte Umzug der Polizeiwache in die Schillerslager Straße Driests Flucht erleichtert hat, ist natürlich Spekulation. Tatsache ist, dass der sofort alarmierte Streifenwagen vor der geschlossenen Schranke am Bahnhof erst einen vorbei fahrenden Zug passieren lassen musste. Als er vor der Sparkasse am Celler Tor eintraf, war der Wagen mit Driest schon weit entfernt. Auf einem abgelegenen Waldweg bei Hänigsen ließ er das Fahrzeug stehen und trat die weitere Flucht zu Fuß an.

Festnahme und Verurteilung Driests

Nur eine Woche nach seiner Tat gelang den Ermittlungsbehörden Driests Festnahme. Sein leichtsinniger Umgang mit der Beute bereitete der Polizei den schnellen Fahndungserfolg. Schon am Abend des 11. Mai hatte er ausgiebig und spendabel in einem Osnabrücker Lokal mit einigen Freunden gefeiert. Zum Verhängnis wurde ihm schließlich, dass er den Koffer mit dem Großteil der Beute unter einem fadenscheinigen Vorwand einer befreundeten jungen Apotheker-Praktikantin mit der Bitte übergab, ihn einige Tage für ihn aufzubewahren. Die misstrauisch gewordene Frau öffnete zusammen mit einem von ihr benachrichtigten Journalisten den Koffer. Zum Vorschein kamen zwei Trommelrevolver und Papier- und Hartgeld im Wert von 5670 Mark. Beide riefen sofort die Polizei, die am vereinbarten Übergabeort erschien und Driest festnahm.
Sein Strafprozess fand vor dem Landgericht Göttingen statt. Driests Beteuerungen, er habe zum Tatzeitpunkt unter den Auswirkungen von Medikamentenmissbrauch gelitten, fanden vor dem Richter kein Gehör. Er verurteilte ihn am 1. Juli 1966 zu fünf Jahren Zuchthaus, die er in der Strafanstalt Celle zu verbüßen hatte. Der Verdacht, dass er für einen weiteren Banküberfall in der Nähe von Göttingen verantwortlich sei, konnte nicht beweiskräftig erhärtet werden. Als Driest schon nach 3 Jahren und 4 Monaten vorzeitig aus der Haft entlassen wurde, begann nach Zwischenstationen als Hafenarbeiter, Kellner und Taxifahrer sein neuer Lebensweg als Schauspieler, Drehbuchautor und Schriftsteller, den er ohne eine entsprechende künstlerische Ausbildung einschlug.

Gemeinsamer Auftritt mit Romy Schneider und Beginn einer langen Film- und Fernsehkarriere

1974 erschien Driests Roman „Die Verrohung des Franz Blum“, in dem er die während seines Gefängnisaufenthaltes gesammelten Erfahrungen in einer packenden Darstellung niedergeschrieben hatte. Im selben Jahr lief die von Dietmar Schönherr moderierte Talkshow „Je später der Abend“ im Fernsehen, die Driests Namen schlagartig in ganz Deutschland bekannt machte. Vor laufenden Kameras machte die berühmte Schauspielerin Romy Schneider dem jungen Schauspieler eindeutige Komplimente. Nach diesem Abend entstand das Gerücht, dass sich zwischen der Schauspielerin und Driest eine Liebesbeziehung entwickelt hätte. In den folgenden Jahren spielte er in Kino- und Fernsehfilmen mit, zu denen er mehrmals die Drehbücher selbst verfasste. In den achtziger Jahren lebte er in Hollywood, kam aber für Filmprojekte regelmäßig nach Deutschland zurück. Ende der achtziger Jahre wandte er sich erfolgreich auch dem Musical, dem Theater und der Malerei zu. Nachdem er von 1997 bis 2001 in der irischen Hauptstadt Dublin gewohnt hatte, wählte er die Ferieninsel Ibiza als neues Domizil und lebt seitdem zurückgezogen in ihrem Hinterland. Hier begann er, Kriminalromane zu schreiben, die auf Ibiza spielen und sich bis heute einer großen Fangemeinde erfreuen. Wer sich im Internet den Abschnitt der Talkshow noch einmal live anschauen möchte, in dem er über den Banküberfall redet, sollte folgende beiden Links verwenden:
http://www.youtube.com/watch?v=jAoO4nyKXpg&feature=related und
http://www.youtube.com/watch?v=4e6R9zkaks0&feature=related.

Autor/Redakteur: Burkhard Wolters (Bw)
Bilder: ()
Erstellt am 17.11.2010
10107 mal gelesen.

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Burkhard Wolters
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