In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts hatte sich langsam ein aktives Musikleben in dem bäuerlich geprägten Ahlten entwickelt. Ahlten stand kurz davor, bei der Einwohnerzahl die 1000er-Marke zu überschreiten. Im Jahr 1874 war der Ahltener Männergesangsverein von dem Lehrer Quitmeyer gegründet worden. Die Erkenntnis hatte sich durchgerungen, das das gemeinsame Singen für die vorwiegend mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigten oder im Handwerk tätigen, hart arbeitenden Männer ein willkommenes Mittel war, sich von den Strapazen des Alltags zu erholen. Die 18 Mitglieder, die von Hinrich Däwes oft an der Geige begleitet wurden, sangen alte deutsche Volkslieder. An lauen Sommerabenden konnten die Ahltener Bürger aus dem weit geöffneten Fenster des Probenraums u.a. Carl Friedrich Zöllners Melodie zu Wilhelm Müllers „Des Wandern ist des Müllers Lust“ hören. Jedenfalls kann sich man dies mit einiger nostalgischer Fantasie heute so vorstellen. Berichte von den Chorproben gibt es jedenfalls keine. Wo geprobt wurde, ist ebenfalls nicht bekannt.
An größere Oratorienwerke wie Haydn´s „Schöpfung“ und die Messen Bach´s , die vielleicht eine hannoversche Chorvereinigung aufgeführt hätte, traute man sich nicht heran. Es fehlte einfach an der Zeit, solche komplizierten Musikwerke einzustudieren. Ob die musikalischen Fähigkeiten der Chormitglieder dazu ausreichend gewesen wären, lässt sich nicht mehr beurteilen, da es keine Aufzeichnungen über Kritiken von öffentlichen Auftritten des Chores gibt.
Ein besonderes Ereignis war seit 1913 das jährliche Himmelfahrts-Chorkonzert am „Sängerstein“ im Ahltener Wald. Im Verlauf der Jahre wurde das Chorkonzert an die ebenfalls im Ahltener Wald gelegene „Vierschwesternbuche“ verlagert, da der „Sängerstein“ immer weiter zerfiel. Als auch die Buche um das Jahr 1970 einging, klang diese schöne Tradition aus, die bei allen älteren Ahltenern noch in bester Erinnnerung ist. Die Mitglieder des Feuerwehrmusikzuges hatten sich zu Himmelfahrt ebenfalls zum alljährlichen gemeinsamen Musizieren an der Vierschwesternbuche eingefunden. Leider löste sich der Männergesangsverein kurz nach seinem einhundertjährigen Bestehen im Jahr 1975 auf. Es war zu unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten zwischen den jüngeren und älteren Chormitgliedern über die musikalische Zukunft des Chores gekommen.
Nähere Informationen über ein in Ahlten seit den 20er Jahren existierendes Mandolinenorchester und eine Schrammelkapelle können nicht mehr vermittelt werden, da sich außer einzelnen Fotos aus dieser Zeit keine Originalquellen mehr erhalten haben, die etwas über die Mitgliederstruktur oder besondere musikalische Auftritte aussagen könnten. Wie die musikalische Qualität der dargebotenen Musikstücke einzuschätzen ist, kann nur vermutet werden. Über einen ausgebildeten Musiklehrer, der in Ahlten gelebt hat und für einen kompetenten Musikunterricht gesorgt haben könnte, ist nichts bekannt. Wahrscheinlich haben sich alle Musiker im autodidaktischen Selbststudium ihre musikalischen Fertigkeiten beigebracht. Sicherlich hätte den schwer arbeitenden Menschen Ahltens auch die Zeit gefehlt, mit dem Dampfzug nach Hannover zu fahren, um dort Musikunterricht zu erhalten.
Bedauerlicherweise gibt es auch über die Umstände, die zur Gründung des Feurwehrmusikzuges im Verlauf der Einrichtung einer Freiwilligen Ahltener Feuerwehr im Jahr 1889 führten, keinerlei gesicherte Informationen mehr. Ein Foto aus dem Jahr 1895 zeigt, dass die Kapelle aus rund 13 Musikern bestand. Welchen Namen der Kapellmeister trug, ist nicht mehr überliefert. Ein großer Höhepunkt der musikalischen Aktivitäten der Kapelle waren die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr am 7. und 8. Juni 1914. Aufzeichnungen über weitere musikalische Höhepunkte in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen haben sich nicht erhalten. Gesichert ist nur, dass sich die Feuerwehrwehrkapelle während der Kriegsjahre 1939-1945 aufgelöst hatte.





